
Porsche 911 GT3 der Baureihe 991.2 ohne OPF im Test
Nachdem mich der Porsche 911 Turbo S aus der neuesten Baureihe 992 mit seiner unglaublichen Beschleunigungskraft und der maßgeschneiderten Präzision im Alltag sowie mit seinen Supersportwagen-Fähigkeiten sprachlos gemacht hat, musste ich mich nochmal in einen GT3 setzen.
Denn eigentlich bin ich absoluter Fan des Porsche 911 GT3 und identifiziere mich eher mit dem puristischen Saugmotor und dem infernalischen Sound. Aber der Turbo hat mich so sehr umgehauen, dass ich das nun unbedingt noch einmal vergleichen wollte. Leider gibt es Stand Januar 2021 vom 992 noch keinen GT3. Deshalb greife ich auf die Baureihe vorher und damit auf den 991.2 zurück.
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Inhalt
Der Traum eines jeden Rennfahrers – 911 GT3
Und da steht er. Meine persönliche Traumkonfiguration des Porsche GT3. In Kreide mit Schalensitzen und noch ohne OPF (Otto-Partikel-Filter), der zum Ende der Bauzeit 991.2 leider noch seinen Platz im GT3 RS gefunden hat. Nicht aber im GT3!
Das heißt: 4 Liter Saugmotor und 9.000 Umdrehungen, die einem bei jedem Hochdrehen die Nackenhaare aufstellen. Doch schon beim Einsteigen merkt man sofort, wie unterschiedlich der GT3 zum Turbo ist. Während man im Turbo, so lange man nicht den Supersportwagen-Modus aktiviert, die ganze Zeit einen klassischen 911 genießt, merkt man im GT3 sofort die Rennsport-Einflüsse. Alles ist tiefer, härter und sportlicher. Ich habe die Ausführung mit PDK unterm Hintern und muss sagen, dass ich ungeachtet des noch ungefilterten Schalterlebnisses auch das PDK mit der erhöhten Performance vorziehe.

Porsche 911 GT3 im Alltag
Also runter von der Bremse und langsam anrollen. Die Maschine macht dabei unterschiedliche Geräusche, die man von Rennwagen aus dem Fernsehen kennt. Das soll so sein und macht Laune, denn hier spürt man ungefiltert, wie das Fahrzeug arbeitet. Die Lenkung erscheint bei langsamen Geschwindigkeiten erstaunlich indirekt und wird außerdem bei kleinsten Bodenwellen hin- und hergerissen. Man benötigt also 2 Hände – auch beim Cruisen. Außerdem stellt man sich nun die Frage, wie im Gottes Namen der GT3 nur ansatzweise eine Chance gegen den Turbo haben soll. Da lief, ganz im Gegensatz, schon bei den ersten Metern alles perfekt.

Der Porsche GT3 wächst mit seinen Aufgaben
Aber perfekt soll der GT3 ja gar nicht sein. Der 911 GT3 ist wirklich ein Rennauto für die Straße. Und ein Rennauto ist eben nicht für geringe Geschwindigkeiten gemacht. Denn das überzeugt im Grenzbereich. Also fahren wir aus München raus in Richtung Alpen und freuen uns auf kurvige Bergstrecken.
Schon auf der Überlandfahrt merkt man, dass sich das Auto ab Landstraßen-Geschwindigkeiten deutlich wohler fühlt. Es kommt einem so vor, als würde die Lenkung mit jedem Kilometer pro Stunde immer klarer werden.
Saugmotor, 500 PS und kurvige Straßen
Nun geht es langsam in Richtung des im Straßenverkehr möglichen Grenzbereiches. Zweimal runterschalten und… alter Schwede, was ist das für ein geiler Sound. Gaspedal durchdrücken und der Saugmotor macht direkt klar, warum er so beliebt ist. Das Ansprechverhalten drückt einem den Rücken gerade und die Leistungsentfaltung erfolgt linear. Begleitend von einem höllischen Schreien des Boxermotors, der den Fahrer auch noch bei 8.000 Umdrehungen anschreit, ihm nochmal 1000 draufzusetzen.
Mit jedem Beschleunigungsvorgang baut sich die Verbindung mit dem Auto weiter auf und jeder davon ist immer und immer wieder ein Fest. Auch wenn man stark in den Sitz gedrückt wird, ist ein Turbo noch deutlich schneller. Aber das zählt im GT3 nicht. Denn das Erlebnis der Beschleunigung ist ein ganz anderes. Müsste man die Erfahrungen vergleichen, wäre der GT3 eine ausgefallene, verrückte Nacht im Nachtclub, wohingegen der Elfer Turbo das gesetzte Abendessen im Sterne-Restaurant verkörpert.

Fahrdynamik auf die Spitze getrieben
Und nun kommen ja auch die ersten Kurven. Und alles, was man vorher an der Lenkung und dem Fahrwerk kritisiert hat, wandelt sich um in Rennsport-Perfektion. Nun freut man sich über die krasse Rückmeldung, kann dadurch noch viel besser erfühlen, was mit dem Auto passiert und wie weit man noch gehen kann.
Der Motor presst die Heckachse auf den Asphalt und so kann man trotz Hinterradantriebs meistens schon am Mittelscheitel wieder aufs Gas gehen. Und durch den fehlenden Turbolader gibt es auch keinen plötzlichen Drehmoment-Einsatz, der einen Quersteher provoziert.
Trotzdem ist alles hart und rau und man arbeitet deutlich mehr als bei einem normalen 11er. Das macht es für den Anfänger zwar deutlich schwieriger, wirklich schneller als in einem Basis 911er unterwegs zu sein, aber ist gleichzeitig sowas von genial, weil es die ganze Ausfahrt zu einem Erlebnis macht. Auch wenn man dann nominell noch gar nicht so viel schneller als mit einem 991 Carrera S unterwegs ist.

Porsche 911 GT3 doch wieder geiler als Turbo?
Tatsächlich hat die Ausfahrt mit dem Porsche 911 GT3 geholfen, die Welt wieder ein wenig gerade zu rücken. Trotzdem bin ich durch den 911 Turbo nachhaltig beeindruckt. So sehr, dass das neue Lebenskredo entstanden ist.
Mein absolutes Traumauto ist jetzt nicht mehr nur ein Porsche 911 GT3, sondern am Ende sind die Autos so unterschiedlich, dass man sich nicht für einen der beiden entscheiden kann. Es müssen also beide her!
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