
Ist der Porsche Cayman GTS 4.0 mit 6-Zylinder genauso gut wie ein GT4?
GT-Modelle bei Porsche entstammen der Idee, so viel Rennsporttechnik wie möglich in ein straßenzugelassenes Auto zu packen. Die Innovationen der Rennautos, zum Beispiel vom Porsche 911 RSR, fließen in die nächste Modellgeneration des GT4, GT3 oder GT2. Die straßenzugelassenen GT-Varianten haben also echte Rennsport-Gene. Dies unterscheidet sie stark von den jeweiligen Basisvarianten, obwohl sie prinzipiell das gleiche Karosseriekleid tragen.
Auch motorseitig bekommen die GT-Modelle von Porsche einen eigens entwickelten Motor. Überwiegend ist das immer noch ein frei atmender Sauger – sehr zu unserer Freude. Erstmals aber nimmt Porsche – zumindest beim Cayman GT4 als Speerspitze der Baureihe 718 – das Alleinstellungsmerkmal und packt den 4,0-Liter-Sauger-Motor auch in den Cayman GTS 4.0. Bei uns kann man den Porsche Cayman mieten, und deshalb haben wir uns gefragt, ob man vielleicht auch schon mit der GTS-Variante in den Genuss des echten GT-Erlebnisses kommt.
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Zunächst zum äußeren Erscheinungsbild des Porsche Cayman GTS 4.0
Für den Laien ist es gar nicht so einfach, den 718 Cayman GTS von seiner Basis-Variante zu unterscheiden. Eine leicht modifizierte Frontstoßstange, ein paar schwarze Applikationen und der doppelläufige Sportauspuff in der Mitte machen den Cayman zum GTS. Das meiste kann man inzwischen auch als Zusatzoption für einen normalen Cayman bestellen. Wäre also hier kein Schriftzug mit dem Hinweis „GTS“ vorhanden, könnte man den Unterschied kaum feststellen.
Wir hatten zum Testen einen Wagen in schwarz bekommen. Da gehen die kleinen Details noch mehr unter. Sieht aber im Gesamtbild GTS-typisch böse aus.
Porsche Cayman GTS 4.0 im Innenraum
Im Innenraum findet sich dann genau das wieder, was man von den GTS-Sportmodellen kennt: sportliches Alcantara, Carbon-Applikationen und Ziernähte in Kontrastfarbe. Außerdem ist das zum Glück noch analoge Tacho mit echten Zeigern ebenfalls in Kontrastfarbe gehalten – in unserem Fall rot.
Ich muss ehrlich sagen, das Interieur eines GTS würde ich auch in jeden Basis-Porsche konfigurieren. Es ist zugleich sehr sportlich und absolut hochwertig.
Das Infotainment-System ist nicht ganz „State of the Art" und der Bildschirm ist vergleichsweise klein. Aber ehrlich gesagt interessiert mich das zumindest bei einem Sportwagen auch gar nicht mehr. Ich denke, man hat sowieso ein viel besser funktionierendes Smartphone mit Google Maps dabei!

Kommen wir zu den technischen Daten des Porsche 718 Cayman GTS 4.0
Laut Datenblatt werden dem GTS 20 PS gegenüber dem GT4 weggenommen, sodass er sich mit 400 PS zufriedengeben muss. Angeblich schafft er die Beschleunigung von 0-100 km/h in 4,5 Sekunden. Wir haben es trotz sehr guter Anläufe nicht geschafft, unter 4,9 Sekunden zu kommen. Hier merkt man das fehlende Doppelkupplungsgetriebe, das den Sprint deutlich schneller machen würde. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 293 km/h angegeben. Übrigens: Der Grundpreis für den Cayman GTS beträgt 80.703 € inklusive der derzeit reduzierten Mehrwertsteuer.
Die Werte gehen insgesamt in Ordnung. Trotzdem bleibt das Vorgängermodell mit dem nur 2,5 Liter großen, zwangsbeatmeten 4-Zylinder schneller.
Porsche hat mit dem Facelift GTS also nicht nur die Gepflogenheiten des Downsizings durchbrochen, sondern auch noch ein neues Modell gebracht, welches im Vergleich langsamer als das alte Pendant ist.

Nun aber zum Wichtigsten: Das Fahrgefühl im Porsche Cayman GTS im Vergleich zum GT4
Der Porsche 718 Cayman GTS ist schon auf dem Papier eine echte Fahrmaschine: Mittelmotor, Schalter & freisaugender 4,0-Liter 6-Zylinder Mittelmotor. Hier weiß der Sportwagenfan, der Wagen ist für die Landstraße gemacht. Mit den ersten schnellen Metern kann sich dann auch gleich die Schaltung bewähren. Porsche-typisch sind die Schaltwege kurz und der Schalthebel gleitet wie von Zauberhand geführt von einem in den anderen Gang.
Es ist eine Freude, vor der nächsten Kurve zwei Gänge runterzuschalten und im Sport Plus Modus, durch die automatische Zwischengasfunktion unterstützt, gleich im richtigen Drehzahlbereich zum Rausbeschleunigen zu sein. Die Schaltung funktioniert insofern genauso gut wie im GT4 und ist wahrscheinlich auch komplett identisch.
Motorenseitig hat ein 100-200 km/h Test zwischen GTS & GT4 keinen großen Unterschied ergeben. Trotzdem fühlt sich der GT4 bei Gasstößen direkter an und macht ihn dadurch im Empfinden ein wenig schneller.
Die großen Unterschiede bestehen jedoch im Kurvenverhalten. Durch die optimierte Karosserie und den großen Anpressdruck des GT4 fühlt dieser sich gerade in langen, schnellen Kurven deutlich stabiler an. Und die Frontachse vom GT3 lässt den Fahrer wirklich spüren, dass mit diesem Auto ernst gemacht werden kann.
Der Cayman GTS ist zwar in allen Bereichen deutlich besser als seine sonstige Konkurrenz à la BMW M2 und Audi TT RS und macht unglaublich viel Spaß, springt man aber einmal hinter das Steuer des GT4, möchte man nicht mehr zurück.
Das heißt: Auch wenn die beiden internen Porsche-Kontrahenten auf dem Papier recht ähnlich aussehen und vom Fahrgefühl auch sind, ist der GT4, da er in jeder Disziplin ein Hauch besser ist, insgesamt eine andere Welt. Das klingt zwar komisch, ist aber so.
Fazit Porsche 718 Cayman GTS
Das Auto ist wieder emotionaler und fahrer-orientierter als sein Vorgänger mit Downsizing. Er begibt sich damit eben deutlich mehr auf die Fährten seines großen Bruders. Trotzdem ist der GT4, der mit 96.000 € nur ca. 16.000 € mehr kostet, die deutlich geschärftere Version und immer das, was der GTS eben noch nicht ist.
Ich würde also, wenn ich könnte, immer noch ein paar Taler drauflegen. Wenn ihr auch mal einen Porsche Cayman mieten wollt, seid ihr bei uns genau richtig.
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